aus der Berta #853 vom 03.07.2014

vom OrgaTeam des CSD 2014

Ein Interview mit FLUSS e.V. zur deren Les-Bi-Schwul-Trans-Queere Bildungsarbeit in Schulen

Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“ – Lesbisch beziehungsweise schwul zu sein wird in unserer Gesellschaft längst noch nicht als gleichwertige und gleichberechtigte Lebensform anerkannt. Die Freiburger Initiative FLUSS e.V., die sich für Les-Bi-Schwul-Trans-Queere Bildungsarbeit in Schulen einsetzt, markiert dagegen eine Alternative: Durch Unterrichtsbesuche, persönliches Kennenlernen und die Thematisierung lesbischer und schwuler Lebensweisen werden Lehrkräfte, Eltern und Schüler*innen für queere Lebensweisen sensibilisiert. CSD-FREIBURG sprach mit Annika Spahn über ihre Arbeit im Rahmen von FLUSS e.V.

CSD: Annika, wie läuft ein Unterrichtsbesuch von FLUSS e.V. ab?

Zuerst stellen wir uns und unsere Arbeit kurz vor. Dazu gehören auch bestimmte Umgangsregeln. Wir bitten zum Beispiel die Schüler*innen, Diskretion zu wahren, also nicht auf dem Schulhof zu erzählen, wer welche Frage gestellt hat. Danach klären wir mit einem kleinen Spiel die wichtigen Begriffe, also Bisexualität, Transgender, coming out, Asexualität, Homophobie und queer, um nur einige zu nennen. Anschließend arbeiten wir mit einem Modell, das die Schüler*innen auch zum Thema Geschlechterrollen sensibleren soll. Dann teilen wir die Klasse in zwei Gruppen und spielen ein weiteres Spiel, das mit Vorurteilen gegenüber Schwulen und Lesben „aufräumen“ soll und Wissen vermittelt, zum Beispiel: Dürfen homosexuelle Paare in Deutschland Kinder adoptieren? Ist Homosexualität eine Krankheit? Zum Schluss dürfen und sollen die Schüler*innen Fragen stellen, und wir erzählen auch davon, wie unser eigenes Coming Out war, wie unsere Familien reagiert haben und soetwas. Falls eine Klasse mal nicht so gesprächig ist, greifen wir auf Fragen zurück, die wir ein paar Wochen vorher mittels eines Fragebogens erhoben haben.

CSD: Erinnerst du dich an ein besonderes Vorkommnis bei einem eurer Besuche?

Besonders ist eigentlich immer die Feedback- Runde ganz am Ende. Immer wieder sagen Schüler*innen, wie viel es ihnen bedeutet, dass sie alles fragen durften und dass sie jetzt weniger Vorurteile haben, weil sie zum Nachdenken angeregt wurden. Oft wird auch so was gesagt wie „Ich finde, alle sollen so leben und lieben dürfen, wie sie wollen und sollen nicht dafür diskriminiert werden.“ Das bestärkt uns sehr in der Arbeit die wir tun.

CSD: Wie dürfen wir uns eure Arbeit vorstellen: Seid ihr nur in Freiburg unterwegs oder vielleicht auch mal in ländlicheren Regionen? Seit ihr eher an Gymnasien anzutreffen oder auch an Haupt, Real- und Gesamtschulen?

Wir sind zwar hauptsächlich in und um Freiburg unterwegs, fahren aber auch mal in weiter entfernte Orte wie Gengenbach oder Lörrach. Aber es gibt in Baden-Württemberg noch andere Organisationen, die auch Aufklärung über die Vielfalt von sexuellen Orientierungen und Geschlechtern geben, so dass wir manchmal Anfragen auch nach Stuttgart oder Mannheim weiterleiten. Wir sind grundsätzlich offen für alle Schularten, werden aber vor allem von Gymnasien angefragt.

CSD: Wie viele Anfragen erhaltet ihr von Schulen? Werdet ihr auch wiederholt „gebucht“?

Wir erhalten mehr Anfragen, als wir eigentlich „bearbeiten“ können. Unsere ca. 10 festen ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen sind sehr ausgelastet. Deswegen würden wir uns auch über mehr finanzielle Unterstützung der Stadt Freiburg freuen, um beispielsweise eine hauptamtliche Stelle finanzieren zu können. Ich glaube, wir besuchen ca. 4-5 Schulen pro Monat, teilweise mit bis zu 5 Klassen. Wir werden oft jedes Jahr für die 8. Klassenstufe angefragt, manche Schulen haben die Kooperation mit uns fix verankert.

CSD: Wenn ich als Einzelperson euch zu mir an die Schule holen möchte, welche Schritte müsste ich dafür in die Wege leiten?

In diesem Fall fragt man in unserem Büro nach, dann können Terminvorschläge und Finanzierung abgeklärt werden. Hier die Mailadresse: mail@fluss-freiburg.de. Weitere Infos gibt’s auch auf unserer website www.fluss-freiburg.de

CSD: Und wenn ich persönlich bei euch mitmachen möchte?

Wir freuen uns immer über neue Mitarbeiter*innen, sogar über heterosexuelle. Wer mitmachen möchte, kann einfach bei einem unserer Plena auftauchen. Wir treffen uns jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat ab 19.45 Uhr in der Lise-Meitner-Str. 12, 1. OG links im Vauban. Oder mensch schreibt einfach mal eine Mail an unser Büro, falls weitere Fragen offen sind.

CSD: Vielen Dank für das Interview!

CSD Freiburg